Ablauf bei der Auswahl nach Geschlecht
Die PID (genetische Präimplantationsdiagnostik) zum Zweck der Geschlechtsauswahl untersucht ein oder mehrere Embryonen auf weibliche und männliche Chromosomen. Damit ein Embryo untersucht werden kann, bevor es in die Gebärmutter eingebracht wird, muss das Verfahren der In-vitro-Fertilisation (IVF) angewandt werden. Das gesamte Verfahren, d.h. IVF und PID zur Geschlechtsauswahl dauert zweieinhalb Wochen und beinhaltet die folgenden Schritte (Abb. 1):
- hormonelle Stimulation der Eierstöcke
- Eizellentnahme
- extrakorporale Befruchtung der Eizelle
- Kultivierung des Embryos im Brutkasten
- PID zur Geschlechtsauswahl mittels der FISH-Methode
- Transfer des Embryos mit dem gewünschten Geschlecht in die Gebärmutter
- Behandlung nach erfolgtem Embryotransfer
Abb. 1: PID zur Geschlechtsauswahl
Stimulation der Eierstöcke
Am Anfang der IVF und PID steht die hormonelle Stimulation der Eierstöcke. Anders als beim natürlichen Zyklus soll durch diese Hormonbehandlung das Heranreifen mehrerer Eizellen gefördert werden. Die reifen Eizellen werden dann aus den Eierstöcken entnommen und anschließend befruchtet. Es ist von entscheidender Bedeutung, mehrere Eizellen zur Verfügung zu haben, weil sich nicht jede Eizelle befruchten lässt und auch nicht jeder Embryo die gleiche Chance hat, sich in der Gebärmuter einzunisten. Um qualitativ hochwertige Embryonen mit dem gewünschten Geschlecht zu erhalten, ist es wichtig, dass eine nach statistischer Wahrscheinlich-keit ausreichende Anzahl von Embryonen/Eizellen heranreift.
Welche Hormontherapie jeweils zum Einsatz kommt, wird nach den individuellen Voraus-setzungen entschieden. Damit wird gewährleistet, dass eine ausreichende Anzahl von Eizellen heranreift. Hauptsächlich werden zwei Medikamente verabreicht. Zum einen handelt es sich hierbei um das follikelstimulierende Hormon FSH (Produktnamen Puregon, Gonal F), das mit dem menschlichen FSH identisch ist. Die Gabe von FSH soll das Heranreifen von mehreren Eizellen in den Eierstöcken fördern. Das zweite Medikament, das unter vielen Markennamen vertrieben wird, zielt darauf ab, den vorzeitigen Eisprung zu verhindern, der bei einer IVF-Behandlung vermieden werden soll.
Durch Ultraschalluntersuchungen wird überprüft, wie die Eierstöcke auf diese Medikamenten-gabe ansprechen. Meistens sind 2-3 Ultraschalluntersuchungen erforderlich, um den optimalen Zeitpunkt für die Eizellentnahme zu festzulegen.
Genauere Informationen zum Ablauf der Stimulationsbehandlung finden Sie unter: http://www.avapeter.com/en/infertility/ivf/stimulation/.
Der Arzt oder die Ärztin wird die für Sie am besten geeignete Behandlungsmethode aussuchen.
Eizellentnahme
Sobald sich (in der Ultraschallkontrolle) abzeichnet, dass die Follikel ausreichend herangereift sind, werden sie entnommen. Circa 36 Stunden vor der eigentlichen Entnahme, wird hCG (humanes Choriongonadotropin) injiziert, um den Reifungsprozess der Eizellen abzuschließen/ den Eisprung auszulösen.
Das Verfahren zur Entnahme der Eizellen wird Follikelpunktion genannt. Die Follikelpunktion wird unter Vollnarkose durchgeführt und dauert üblicherweise 5-10 Minuten. Unter Ultraschall-kontrolle wird eine dünne Nadel durch die Scheide eingeführt, die Scheidewand wird punktiert und die Nadel gelangt in die Höhle eines reifen Follikels. Die follikuläre Flüssigkeit mit der darin enthaltenen Eizelle fließt durch die Nadel in ein steriles Röhrchen (Abb. 2).
Nach der Eizellentnahme kann es zu geringfügigen Schmerzen und vaginalen Blutungen kommen. Der Eingriff erfolgt ambulant, d.h. ein längerer Klinikaufenthalt ist nicht erforderlich. Sobald die Patientin aus der Narkose aufgewacht ist, wird das Ergebnis des Eingriffs besprochen und das Paar kann bis zum Embryotransfer in die Gebärmutter nach Hause gehen.
- Gebärmutter
- Nadel zur Eizellentnahme
- Eierstock
- Ultraschallsensor
- Scheide
- Eibläschen/Follikel
- Spitze der Nadel
- eine entnommene Eizelle
- Reagenzglas
Abb.2: Eizellentnahme
Befruchtung
Die follikuläre Flüssigkeit mit der Eizelle läuft durch die Nadel in ein steriles Röhrchen (Abb. 3).
Für die Befruchtung der Eizelle wird noch am selben Tag Samen von einem Partner benötigt. Es können allerdings auch eingefrorene Samenzellen verwendet werden.
Damit sind die Voraussetzungen für eine extrakorporale Befruchtung erfüllt.
Wenn es sich um frischen Samen von guter Qualität handelt, wird eine herkömmliche In-vitro-Fertilisation durchgeführt. Das ICSI-Verfahren wird angewandt, wenn die Samenzellen zu einem früheren Zeitpunkt eingefroren wurden und/oder ihre Motilität, d.h. Beweglichkeit nicht optimal ist (vgl. Abb. 4). Unter ICSI verstehen wir die Mikroinjektion einer Samenzelle in eine Eizelle.
Abb. 4: ICSI-Verfahren
Am Morgen nach der Eizellentnahme überprüfen unsere Spezialisten im IVF-Labor, ob eine Befruchtung stattgefunden hat. In einer befruchteten Eizelle befinden sich zwei Pronuklei (Vorkerne); ein Pronukleus stammt von der Samenzelle, der andere von der Eizelle. Der aus der Samenzelle stammende Pronukleus bestimmt das Geschlecht des Embryos. Innerhalb weniger Stunden verschmelzen die beiden Pronuklei und bilden dann den Zellkern, der die Chromosomen enthält, d.h. auch die für die Geschlechtsdetermination maßgeblichen X- und Y-Chromosomen.
Die befruchteten Eizellen werden bis zum dritten Tag nach der Eizellentnahme/Befruchtung in einem Brutkasten kultiviert, in dem die Temperatur und der Kohlendioxidgehalt sorgfältig reguliert werden. Am dritten Tag nach der Follikelpunktion wird mit der PID zur Geschlechtsauswahl begonnen.
PID zur Geschlechtsauswahl
Am dritten Tag nach der Eizellentnahme/Befruchtung wird eine Zelle aus jedem Embryo entnommen, um sie auf X- und Y-Chromosomen zu untersuchen. Dieses Verfahren wird Blastomerbiopsie genannt. Damit eine Blastomerbiopsie überhaupt möglich ist, muss jeder Embryo aus 6-8 Zellen (Blastomeren) bestehen, welches die normale Anzahl für dieses Ent-wicklungsstadium darstellt.
Nach erfolgter Blastomerbiopsie werden alle Embryonen weiterhin im Brutkasten kultiviert, in dem Temperatur und Kohlendioxidgehalt sorgfältig reguliert werden. Das durch Biopsie gewonnene Blastomer repräsentiert den Embryo, aus dem es entnommen wurde. Zwischen dem dritten und fünften Tag nach der Eizellentnahme/Befruchtung, während die Embryonen sich weiter im Brutkasten entwickeln, werden die Blastomere auf einem Objektträger fixiert und mittels der FISH-Methode (Fluoreszenz in situ Hybridisierung) auf das männliche, bzw. weib-liche Geschlechtschromosom untersucht. Wenn das Blastomer ein Y-Chromosom aufweist, ist das Embyro, aus dem es entnommen wurde, männlich, im anderen Fall weiblich.
Abb. 5: Das Prinzip der PID
Durch die PID werden nicht nur die Geschlechtschromosomen untersucht, sondern es können auch schwerwiegende Krankheiten, wie z.B. das Down-Syndrom, nachgewiesen werden. Falls Sie sich für die PID aus Gründen der familiären Ausgewogenheit (Geschlechtsauswahl) ent-scheiden, sollten Sie die Gelegenheit nutzen, Ihr zukünftiges Kind auch auf Down- Syndrom oder andere genetisch-bedingte Krankheiten untersuchen zu lassen.
Embryotransfer
Abb. 6: Embryotransfer
Der Embryotransfer an sich ist ein einfacher und schmerzfreier Eingriff, der am fünften Tag nach der Eizellentnahme durchgeführt wird. Am fünften Tag liegen die Ergebnisse der PID zur Geschlechtsauswahl vor. Durch die Scheide wird der Embryo mit einem sehr dünnen biegsamen Plastikkatheter durch den Muttermund in die Gebärmutter eingebracht. Wir übertragen nur ein oder zwei Embryonen, um Mehrlingsschwangerschaften zu vermeiden.
Die überzähligen qualitativ hochwertigen Embryonen können bei niedrigsten Temperaturen eingefroren werden, um für weitere Befruchtungszyklen oder Schwangerschaften zur Verfügung zu stehen. (Kryokonservierung von Embryonen).
Zur Unterstützung der Einnistung des Embryos erhält die Patientin nach der Übertragung Progesteron und Östrogen. Der erste Schwangerschafttest wird zwei Wochen nach dem Embryotransfer durchgeführt.
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